Vom Dach der Welt in den Bayerischen Wald: Wie ein zotteliges Hochgebirgsrind aus Zentralasien auch in unseren Breiten eine Zukunft findet – und was Thomas Blöchl aus Oberseilberg damit zu tun hat.


Herkunft und Geschichte

Das Yak (Bos grunniens) ist eines der faszinierendsten Rinder unseres Planeten. Seine ursprüngliche Heimat ist das Hochland von Zentralasien – das tibetische Plateau, die Regionen des Himalaya, des Karakorum, des Pamir und des Hindukusch, also jener gebirgige Korridor, der gemeinhin als das „Dach der Welt" bezeichnet wird. Wildyaks leben auf Höhen zwischen 4.000 und 6.000 Metern, und genau dort, wo anderen Rindern die Luft ausgeht – im wörtlichsten Sinne – fühlt sich das Yak zu Hause.

Die Domestikation des Yaks reicht nach aktuellen Erkenntnissen mindestens 4.500 bis 5.000 Jahre zurück, vermutlich sogar weiter. Archäobotanische Funde aus Tibet legen nahe, dass die Menschen auf dem Hochplateau das Yak schon deutlich früher gezähmt und als Nutztier eingesetzt haben. Für die Nomadenvölker des Himalaya-Raums – für Tibeter, Mongolen, Kasachen, Kirgisen und zahlreiche weitere Ethnien – war und ist das Yak schlicht überlebensnotwendig: Es liefert Milch, Fleisch, Fell, Wolle, Leder, Dung als Brennstoff und dient als Last- und Reittier in unwegsamem Gelände, in dem kein anderes Haustier bestehen kann.

In Europa wurde das Yak erstmals 1785 gehalten, zunächst ausschließlich in zoologischen Gärten. Eine landwirtschaftliche Nutzung außerhalb Asiens blieb bis ins späte 20. Jahrhundert die absolute Ausnahme. Erst in den letzten Jahrzehnten entdeckten mutige Landwirte in Bayern, Österreich und der Schweiz das Potenzial dieses Tieres für eine extensive, naturnahe Weidewirtschaft.


Biologie und Körperbau

Das Yak gehört zur Familie der Bovidae, also der Hornträger, und ist damit ein echter Vertreter der Gattung Bos – ein naher Verwandter des Hausrindes, mit dem es sich auch kreuzen lässt. Allerdings ist es durch jahrtausendelange natürliche Selektion auf extremste Lebensbedingungen spezialisiert worden, was es biologisch zu einem außergewöhnlichen Tier macht.

Körpergröße und Gewicht: Bullen der Hausyaks erreichen eine Widerristhöhe von 112 bis 180 Zentimetern und können bis zu 700 Kilogramm schwer werden. Kühe sind deutlich kompakter: Sie messen am Widerrist 107 bis 112 Zentimeter und wiegen zwischen 250 und 350 Kilogramm – also deutlich weniger als vergleichbare Hausrindrassen.

Das Fell: Das markanteste Merkmal des Yaks ist sein zweischichtiges Fell. Es besteht aus einem langen, groben Grannenhaar, das bis auf Kniehöhe herabhängen kann und dem Tier sein charakteristisches „zotteliges" Erscheinungsbild verleiht, sowie einem dichten, feinen Wollhaar darunter (dem sogenannten Khullu), das hervorragend isoliert und selbst bei arktischen Temperaturen wärmt. Dieses Wollhaar wird im Frühjahr natürlich abgestoßen und kann dann aus dem Fell herausgekämmt werden – ein wertvolles Naturprodukt, das sich zu hochwertigen Garnen verarbeiten lässt.

Die Färbung des Hausyaks ist weit weniger einheitlich als beim Wildyak, der ausschließlich schwarzbraun bis schwarz ist. Hausyaks gibt es in schwarz, braun, rot, weiß und gescheckt. Manche Tiere sind auch hornlos – ein Merkmal, das sich im Laufe der Domestikation zufällig eingeschlichen hat, ohne dass es aktiv herausgezüchtet wurde.

Physiologische Besonderheiten: Das Yak hat im Vergleich zu anderen Rindern deutlich größere Lungen und ein entsprechend größeres Lungenvolumen. Sein Blut weist eine erhöhte Erythrozytenzahl auf, was die Sauerstoffaufnahme bei dünner Hochgebirgsluft optimiert. Der Stoffwechsel des Tieres ist auf maximale Effizienz ausgelegt: Es verwertet auch qualitativ minderwertiges Futter und kommt mit einem Bruchteil der Nahrungsmenge aus, die ein Hausrind gleicher Größe benötigen würde.

Hörner: Behörnte Yaks tragen sichelartig gebogene Hörner, die bei Bullen deutlich mächtiger ausgeprägt sind als bei Kühen. Das Horn ist ein lebendiges, gut durchblutetes Organ und sollte nicht leichtfertig entfernt werden, da dies tiefgreifende Auswirkungen auf den Organismus und das Sozialverhalten des Tieres hat.

Stimme: Das Yak hat seinen Artnamen grunniens – das lateinische Wort für „grunzend" – nicht zufällig. Anders als Hausrinder brüllt es nicht, sondern gibt ein tiefes, grunzendes Geräusch von sich. Diese ungewöhnliche Lautgebung resultiert aus dem breiteren Kehlkopf des Tieres.


Verbreitung und Wildyak

Der Wildyak (Bos mutus) ist heute vom Aussterben bedroht und kommt nur noch in abgelegenen Hochlagen Tibets und im angrenzenden Westchina vor. Schätzungen gehen von weniger als 15.000 verbliebenen Individuen aus. Intensive Bejagung, Hybridisierung mit Hausyaks und der Rückzug seines Lebensraums haben den Bestand dramatisch reduziert.

Der Hausyak dagegen ist mit weltweit rund 15 Millionen Tieren ein verbreitetes Nutztier – allerdings fast ausschließlich in Asien. China hält mit Abstand den größten Bestand, gefolgt von der Mongolei, Nepal, Indien, Pakistan, Afghanistan und Kirgisistan. In Europa ist die Haltung nach wie vor selten und konzentriert sich auf Privathalter, Biobetriebe und einige Tierparks.

Einen interessanten Sonderfall stellt die Verbreitung verwilderter Hausyaks in Teilen der Inneren Mongolei dar, wo keine echten Wildyaks mehr vorkommen. Diese halbwilden Herden beweisen, dass das Yak auch ohne menschliche Betreuung bestens überlebt.


Klimatische Anforderungen und Haltung in Europa

Die ursprüngliche Heimat des Yaks liegt in Höhen von 4.000 Metern und mehr, mit Temperaturen, die im Winter auf minus 40 Grad Celsius sinken können. Entsprechend ist das Tier auf Kälte ausgelegt – und entsprechend skeptisch waren Experten zunächst, ob das Yak mit dem vergleichsweise milden Klima Mitteleuropas zurechtkommt.

Die Praxis hat diese Bedenken weitgehend widerlegt. Bayerische und schweizerische Yakzüchter berichten übereinstimmend, dass die Tiere auch im Alpenvorland und in mitteleuropäischen Mittelgebirgslagen keinerlei klimatische Probleme haben. Das Yak gilt als absolut kälteunempfindlich und bleibt das ganze Jahr über im Freien – einen Stall braucht es allenfalls als Unterstand oder zur Heulagerung. Stacheldraht hält ein Yak allerdings nicht auf: Aufgrund des dichten Fells spürt es den Stacheldraht schlicht nicht. Drei Elektrodrähte oder Knotengeflecht von mindestens 120 Zentimetern Höhe haben sich als geeignete Zäunung bewährt.

Problematischer als Kälte ist für das Yak die Hitze. An heißen Sommertagen ziehen sich die Tiere in den Schatten zurück, und in sehr tiefen Lagen mit langen, heißen Sommern können sie leiden. Das mitteleuropäische Bergklima – also genau jenes des Bayerischen Waldes – kommt ihnen dabei entgegen. Lagen ab etwa 400 bis 500 Metern, wie sie im Bayerwald Standard sind, eignen sich gut. Die kühlfeuchten Sommer und die langen, schneereichen Winter entsprechen den natürlichen Lebensbedingungen dieser Tiere weit besser als das Klima der norddeutschen Tiefebene.

Ein weiterer Vorteil: Yaks scharren im Winter wie Wildpferde im Schnee nach Gras, anstatt wie Hausrinder ratlos vor der Schneedecke zu stehen. Sie können sich damit auch bei bedeckter Weide selbst ernähren, solange Heu als Ergänzungsfutter bereitsteht.


Ernährung und Fütterung

Das Yak ist ein ausgesprochener Gutverwerter und damit das genaue Gegenteil moderner Hochleistungsrinder. Es begnügt sich mit qualitativ mäßigem Futter und nimmt selbst zähes Gras, Seggen, Kräuter, Farne und Heidekraut an – Pflanzen, die von Rindern verschmäht werden. Diese Eigenschaft macht es zu einem wertvollen Tier für die extensive Landschaftspflege auf Flächen, die für eine konventionelle Rinderhaltung ungeeignet wären.

Im Sommer reicht in der Regel die Weide aus. Im Winter genügt gutes Heu. Kraftfutter ist für Yaks nicht nötig und wird von den meisten naturnahen Züchtern bewusst weggelassen. Es führt zwar zu schnellerem Wachstum und höherer Milchleistung, verändert aber den Charakter des Fleisches und widerspricht dem Prinzip der artgerechten Haltung. Lediglich bei säugenden Kühen kann eine moderate Kraftfuttergabe die Milchleistung sinnvoll unterstützen.

Silage wird von vielen Yakzüchtern ebenfalls abgelehnt, da fermentiertes Futter dem natürlichen Fressverhalten des Tieres nicht entspricht und den besonderen Geschmack des Fleisches negativ beeinflussen kann. Salzlecksteine und frisches Wasser runden den Speiseplan ab.

Eine Besonderheit: Yaks lehnen bestimmte Pflanzenarten konsequent ab. Sie fressen niemals Giftpflanzen – eine Eigenschaft, die sie für naturschutzfachliche Beweidungsprojekte auf Feuchtwiesen, Magerrasen und Hochmooren besonders interessant macht.


Zucht in Europa

Die europäischen Hausyaks haben eine besondere genealogische Geschichte: Alle in Europa landwirtschaftlich genutzten Tiere oder ihre Vorfahren stammen aus Zoos. Aus den Ursprungsländern sind seit Jahrzehnten keine weiteren Tiere nach Mitteleuropa gelangt, was zwangsläufig zu einem erhöhten Inzuchtgrad geführt hat.

Trotzdem hat sich eine kleine, aber aktive Züchterszene in Bayern, Österreich und der Schweiz etabliert. Die Zucht ist naturgemäß langsam: Yaks sind später geschlechtsreif als Hausrinder, und die Trächtigkeitsdauer ist mit etwa 258 Tagen etwas kürzer. In Mitteleuropa werden Kühe durch die besseren Futterbedingungen oft schon mit eineinhalb Jahren geschlechtsreif und können mit zwei Jahren zur Zucht eingesetzt werden. Ein Yak wird normalerweise jedes Jahr trächtig – sofern der Ernährungszustand der Kuh gut ist.

Als Zuchtbullen wählen erfahrene Züchter besonders kräftig entwickelte, im Umgang gutmütige Tiere aus. Eine sorgfältige Dokumentation der Zuchtlinien ist wichtig, um die ohnehin eingeschränkte Genetik nicht weiter zu verengen. Die Kreuzung mit Hausrindern ist grundsätzlich möglich und ergibt Hybriden mit höherer Milch- und Fleischleistung – allerdings auf Kosten der robusten Eigenschaften des reinen Yaks.

Der europäische Yakbestand wächst langsam, aber stetig. Das gestiegene Interesse an extensiver Weidehaltung, Direktvermarktung und nischenmäßiger Fleischproduktion hat dem Yak in den letzten Jahren einen echten Schub gegeben.


Yakzucht im Bayerischen Wald: Die Bayerwald-Yaks von Thomas Blöchl

Wer im Bayerischen Wald unterwegs ist und sich fragt, ob man Yaks wirklich auch hier halten kann, bekommt in Oberseilberg bei Grainet eine klare Antwort: Ja, und zwar mit sichtlichem Erfolg.

Thomas Blöchl, Jahrgang 1972 und von Beruf Dozent und Ausbilder in Passau, stand Mitte der 2010er Jahre vor einer Situation, die vielen kleinen Bayerwaldbauern vertraut ist: Der Betrieb war schlichtweg nicht mehr rentabel zu bewirtschaften – nicht einmal mehr im Nebenerwerb. Die Agro-Industrie hatte ihre Opfer gefordert. Die Eltern näherten sich dem Rentenalter, die täglich zweimalige Melkroutine war auf Dauer nicht zu stemmen. Aufgeben wollte die Familie aber nicht – zu tief war die Verbindung zur Landwirtschaft, zu praktisch waren die vorhandene Weide, die Gerätschaften und die Gebäude.

„Ich habe mich also umgehört, welche Alternativen es gibt", blickt Thomas Blöchl zurück. Seine Recherchen führten ihn dabei relativ schnell ins Himalaya-Gebirge – denn dort lebt eine Rinderrasse, die ihn schnell begeistert hat: das Yak. Eine weitläufige Weide, das Klima, der Pflegeaufwand, der ruhige, ausgeglichene Charakter – die asiatischen Tiere und die Familie Blöchl passten von Beginn an. Bei einem oberbayerischen Züchter kaufte er vier Tiere – drei Mutterkühe und einen Stier.

Seit 2016 züchtet er im Nebenerwerb Yaks auf der Weide seiner Familie in Oberseilberg. Die Tiere seien, so Blöchl, „völlig unkompliziert – sie bleiben Sommer wie Winter draußen und brauchen nur einen kleinen Unterstand." Die restlichen Arbeiten wie Ausmisten und Heuernte gehen den geübten Blöchls leicht von der Hand – und, was bei einem Hauptberuf entscheidend ist: Sie können sich mittelfristig einteilen, wann was erledigt werden muss. Das tägliche Zweimalmelken gehört der Vergangenheit an.

Inzwischen sind aus den anfänglichen vier Tieren 16 geworden. Die Herde vergrößert sich stetig – ein Zeichen, dass sich die Yaks in Oberseilberg wohlfühlen. „Sie wachsen nicht so schnell, sind nicht so überzüchtet", erklärt Thomas Blöchl. Mit dem Label „Bayerwald-Yaks" hat er eine eigene Marke aufgebaut, über die er Fleisch direkt vermarktet. Seine Geschichte diene inzwischen vielen Berufskollegen als Vorbild, die selbst vor ähnlichen Entscheidungen stehen.

Oberseilberg – im Volksmund „Saijbeag" – liegt in der Gemeinde Grainet, gut neun Kilometer nördlich von Waldkirchen und acht Kilometer östlich von Freyung, auf rund 700 Metern Seehöhe. Das Klima dieser Lage, mit kühlen Sommern, langen Wintern und ergiebigem Schneefall, kommt dem Yak geradezu ideal entgegen. Wanderer, die die Gegend erkunden, treffen die Herde direkt an der Weide – ein Anblick, der in der Bayerwaldlandschaft noch immer für staunende Blicke sorgt.


Das Fell: Wolle, Leder, Hörner

Das Yak ist ein echtes Mehrnutzungstier – und das beginnt schon beim Fell. Das zweilagige Fell liefert zwei grundverschiedene Rohstoffe:

Das feine Unterhaar (Khullu) wird im Frühjahr abgestoßen und kann zu diesem Zeitpunkt ausgekämmt werden. Es ist außerordentlich weich, wärmer als Schurwolle und wird von Handspinnern und kleinen Textilbetrieben zu Garnen, Tüchern und Strickwaren verarbeitet. In Zentralasien ist die Verarbeitung von Yak-Wolle eine jahrhundertealte Handwerkstradition.

Das gegerbte Yakleder hingegen ist für seine außergewöhnliche Robustheit und Strapazierfähigkeit bekannt. Führende europäische Hersteller von hochwertigen Bergschuhen schätzen am Yakleder die Kombination aus Geschmeidigkeit und Strapazierfähigkeit. In Zentralasien wird Yakleder traditionell für Sättel, Satteltaschen, Riemen, Fangleinen, Gürtel und Schuhsohlen verwendet. Gegerbte Felle wiegen bis zu zehn Kilogramm und sind ein begehrtes Nebenprodukt der Yakschlachtung.

Auch die Hörner sind verwertbar: Sie lassen sich zu Trinkhörnern, Signalhörnern oder Perchtenmasken verarbeiten. In Zentralasien gelten ausgekochte Yakschädel mit Hörnern als Symbole der Stärke. In Europa sind sie als dekorative Wandbehänge oder Requisiten bei Traditionsveranstaltungen gefragt.

Der Dung des Yaks – in Hochasien ein unentbehrlicher Brennstoff oberhalb der Baumgrenze – spielt in Europa als Weidedünger eine untergeordnete, aber durchaus positive Rolle für die Bodenqualität extensiv bewirtschafteter Flächen.


Yakfleisch: Qualität, Nährwerte und Besonderheiten

Das Fleisch des Yaks ist das wertvollste Produkt für europäische Züchter und der Hauptgrund, warum sich immer mehr Landwirte für dieses Tier entscheiden. Es unterscheidet sich von gewöhnlichem Rindfleisch in mehrfacher Hinsicht – und schneidet dabei fast durchweg besser ab.

Farbe und Struktur: Yakfleisch ist tiefrot, da es einen hohen Myoglobingehalt aufweist. Die Konsistenz erinnert an hochwertiges Wild: feinfaserig, zart und mit einer leichten Marmorierung, die für Saftigkeit sorgt, ohne fettig zu wirken. Wer Yakfleisch zum ersten Mal isst, vergleicht es oft mit Hirsch- oder Rehfleisch – nur mit weniger ausgeprägtem Wildgeschmack.

Fett und Cholesterin: Die konsequent natürliche und artgerechte Haltung führt zur Entstehung eines cholesterin- und fettarmen Fleisches, das höchsten Ansprüchen genügt. Der Fettgehalt liegt deutlich unter dem vergleichbarer Rinderrassen. Das macht Yakfleisch besonders für ernährungsbewusste Verbraucher interessant.

Carotin und Mikronährstoffe: Das Fett enthält pro Kilogramm durchschnittlich 19 mg Carotin – deutlich mehr als Rinderfett mit nur 7 mg. Yakfett ist deshalb deutlich gelber als Rinderfett. Yakfleisch ist außerdem reich an Eisen und Zink.

Langsames Wachstum als Qualitätsmerkmal: Yaks wachsen langsam. Sie sind erst mit fünf bis sechs Jahren ausgewachsen. Die meisten europäischen Züchter schlachten ihre Tiere nach drei bis fünf Jahren. Ursprüngliche Genetik, langsames Wachstum, artgerechte Haltung, ruhiger und regelmäßiger Umgang mit Menschen und stressfreie Schlachtung in Kombination mit maximaler Fleischreifung sind die Voraussetzungen für die hohe Qualität des Yakfleisches. Wer auf schnelles Wachstum durch Kraftfutter setzt, bekommt zwar mehr Gewicht in kürzerer Zeit – aber auf Kosten genau jener Qualitätsmerkmale, die das Yak auszeichnen.

Vermarktung: Yakfleisch wird in Europa fast ausschließlich über Direktvermarktung verkauft. Einzelhandel und Gastronomie sind seltene Ausnahmen. Gängig sind sogenannte Mischpakete – Zusammenstellungen aus Edelteilen und einfacheren Stücken, die dem Anspruch der Ganztierverwertung gerecht werden. Angesichts des kleinen Schlachtkörpers und des langen Aufzuchtzeitraums ist Yakfleisch naturgemäß teurer als konventionelles Rindfleisch – und wird von Käufern, die es kennen, gerne dafür bezahlt.


Der Weideschuss – tiergerechte Schlachtung

Ein Begriff, der im Zusammenhang mit Yakfleisch immer wieder fällt und der zu einem echten Qualitätsmerkmal geworden ist, ist der Weideschuss. Er bezeichnet die Schlachtung des Tieres direkt auf der Weide, durch einen gezielten Schuss, während das Tier in seiner gewohnten Umgebung und mitten in seiner Herde grast.

Das Prinzip: Das Tier erlebt keinen Stress, keinen Transport zum Schlachthof, keine fremde Umgebung, keine Wartesituation. Durch den Weideschuss ist das Tier keine Sekunde ohne seiner Herde und immer in vertrauter Umgebung. Der Tod tritt sofort ein – ohne Vorwarnung, ohne Panik. Was für das Tier ein stressfreier Tod ist, hat auch messbare Auswirkungen auf die Fleischqualität: Stresshormone wie Adrenalin, die bei konventioneller Schlachtung oft in erheblichen Mengen ausgeschüttet werden, bleiben aus. Das Fleisch ist zarter, weniger sauer und länger haltbar.

Der Weideschuss erfordert behördliche Genehmigung und muss von einem zugelassenen Jäger oder Landwirt mit entsprechender Schießerlaubnis durchgeführt werden. Er ist in Deutschland legal und wird von Veterinärbehörden unter bestimmten Voraussetzungen genehmigt. Für Yaks, die ihrem Wesen nach wenig an den Menschen gewöhnt und schwer in Transportboxen zu treiben sind, ist er die humanste und praktikabelste Schlachtmethode.


Yakwolle und weitere Produkte

Das Yak ist, wie eingangs erwähnt, ein klassisches Mehrnutzungstier. In Europa werden neben Fleisch und Leder folgende Produkte gewonnen und vermarktet:

Wolle/Khullu: Das feine Unterhaar wird im Frühjahr ausgekämmt und ist ein begehrter Rohstoff für Handspinner und Textilhandwerker. Die Fasern sind weicher als Merinowolle und hypoallergen. Im Vergleich zu industriell verarbeiteter Wolle sind die Mengen gering – ein Yak liefert pro Jahr wenige hundert Gramm Khullu –, aber der Wert pro Kilogramm ist entsprechend hoch.

Milch und Milchprodukte: In Europa wird Yakmilch kaum gewonnen, da dies den Kälbern auf Kosten ihrer optimalen Versorgung ginge und dem Grundsatz der artgerechten Haltung widerspräche. Der mittlere Fettgehalt der Yakmilch beträgt über 6 Prozent, der Energiegehalt ist deutlich höher als bei Kuhmilch. In Zentralasien sind Yakbutter, Yakbuttertee, Biaslag-Käse und Choormog (ein leicht alkoholisches Getränk aus vergorenem Yakjoghurt) traditionelle Produkte.

Dekoratives: Yakschädel, Hörner und Häute finden als handwerkliche Produkte und Dekorationsgegenstände Abnehmer – bei Liebhabern, in der Gastronomie und bei Veranstaltungen mit alpenländischem oder asiatischem Thema.


Charaktereigenschaften und Umgang

Wer das erste Mal auf Yaks trifft, ist oft überrascht: Diese riesigen, langhaarigen Tiere mit den wuchtigen Hörnern wirken auf den ersten Blick einschüchternd. In der Realität sind sie – wenn der Mensch einen vertrauensvollen Umgang pflegt – außerordentlich ruhig, neugierig und gutmütig.

Yaks sind ausgeprägte Herdentiere mit einer klaren sozialen Hierarchie. Innerhalb der Herde gibt es gelegentliche Rangkämpfe, die aber selten gefährlich sind. Gegenüber Menschen zeigen gut sozialisierte Yaks kaum Aggressionen. Dennoch gilt: Wer ein Yak zum ersten Mal treibt oder anbindet, muss Geduld mitbringen. Das Tier lässt sich nicht hetzen und kann stur reagieren, wenn es überfordert wird.

Bullen sind in der Brunftzeit (Herbst) vorsichtiger zu behandeln. Ein Yakbulle, der seine Herde verteidigt, ist ein ernst zu nehmendes Tier. Grundsätzlich empfiehlt sich im Umgang mit Yaks eine ruhige, konsequente Herangehensweise – keine hektischen Bewegungen, kein unnötiges Lärmen.


Ökologischer Nutzen und Landschaftspflege

Für naturschutzorientierte Landwirtschaft und extensive Landschaftspflege ist das Yak geradezu ideal. Es weidet auch auf Flächen, die für andere Nutztiere zu steil, zu rau oder zu nährstoffarm sind. Es ist halb so schwer wie ein normales Rind und verursacht dementsprechend weniger Schäden im Gelände; es kommt besser mit steileren Hängen zurecht.

Das Yak ist in der Lage, Weidereste nach einer Schafbeweidung zu fressen und damit das Nahrungsspektrum auf einer Fläche vollständiger zu nutzen als jede einzelne Tierart alleine. Es kann problemlos zusammen mit anderen Weidetieren wie Schafen, Ziegen, Pferden oder Rindern gehalten werden – es interessiert sich für die Nachbarn kaum und meidet den Kontakt von sich aus.

Auf Feuchtwiesen, Hochmoor-Randflächen und Magerrasen – also genau jenen Biotoptypen, die im Bayerischen Wald vielerorts einer extensiven Nachnutzung bedürfen – ist das Yak damit eine attraktive Option für Landwirte, die zugleich Naturschutzziele verfolgen wollen.


Fazit: Ein Tier mit Zukunft im Bayerischen Wald

Das Yak ist kein modischer Exot, sondern ein erprobtes Nutztier mit jahrtausendealter Geschichte – nur eben aus einer anderen Welt. Dass es sich in den klimatischen Verhältnissen des Bayerischen Waldes so gut behauptet, ist dabei kein Zufall: Die kühlen, feuchten Lagen, die langen Winter und die extensive Kulturlandschaft des Bayerwaldes bieten dem Himalaya-Rind Bedingungen, die denen seiner Heimat erstaunlich nahekommen.

Thomas Blöchl aus Oberseilberg hat das früh erkannt. Was 2016 mit vier Tieren begann, hat sich zu einem kleinen, aber vitalen Betrieb mit einer eigenen Marke entwickelt – und zu einem Vorbild für andere Bayerwaldlandwirte, die nach alternativen Wegen suchen. Das Yak verlangt wenig: eine gute Weide, Heu im Winter, sauberes Wasser, Ruhe. Es gibt dafür außergewöhnliches Fleisch, wertvolles Fell, anspruchslose Landschaftspflege – und den Anblick einer Herde zotteliger Himalaya-Rinder vor dem Panorama des Bayerwaldes. Das allein ist schon sehenswert.


Kontakt: Bayerwald-Yaks, Thomas Blöchl, Hofwiesen 10, 94143 Grainet (Ortsteil Oberseilberg) · www.bayerwald-yaks.de · Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.